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08.Sep.2010

Sektion Traumatologie

Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie



Was leistet die moderne Unfallchirurgie?
Die Kunst der Behandlung von Unfallverletzungen ist so alt wie die Menschheit selbst. Ging es dabei in früheren Zeiten vordergründig ums Überleben, so fordert man heute eine möglichst vollständige, rasche und kostengünstige Wiederherstellung der Verletzten ohne wesentliche Komforteinbuße z.B. durch Schmerzen oder längere Bettlägerigkeit.

Dabei kommen uns einerseits rasante Fortschritte bei den Operations- und Narkoseverfahren, den Instrumenten und Implantaten, nicht zuletzt auch bei den Medikamenten zugute, andererseits haben wir es mit manchen einstigen Problemen - zum Teil in veränderter Form - immer noch zu tun. So kommt beispielsweise der früher oft tödlich verlaufende Wundstarrkrampf zumindest in Europa heute praktisch nicht mehr vor, dafür sind multiresistente (gegen die meisten Antibiotika unempfindliche) Keime als Auslöser von Wundinfektionen entstanden. Derlei Herausforderungen werden uns auch künftig beschäftigen.

Bundesweit ist pro Jahr mit etwa 8,5 Mio. Unfallverletzten zu rechnen, davon bedürfen ca. 1,4 Mio. einer stationären Behandlung. Ca. 35.000 Menschen erleiden ein Polytrauma, das ist eine lebensbedrohliche Mehrfachverletzung. Diese Zahlen sind über die Jahre relativ konstant, wobei ein Rückgang der Arbeits- und Verkehrsunfälle durch eine Zunahme der häuslichen und Freizeitunfälle ausgeglichen wird. Der demographischen Entwicklung folgend verunfallen immer mehr ältere Menschen, oft durch häuslichen Sturz. Diese Patientengruppe ist durch herabgesetzte Knochenfestigkeit im Rahmen der Osteoporose und durch oft zahlreiche und schwere Begleiterkrankungen belastet. Darüber hinaus gibt es saisonale und regionale Unfallhäufungen, in unserer Gegend zum Beispiel den typischen Sturz von der Leiter beim Obstpflücken im Herbst.

Qualifizierte Unfallchirurgie muss rund um die Uhr zur Verfügung stehen, ohne wirtschaftlich planbar zu sein. Sie reicht von der ambulant durchgeführten einfachen Wundversorgung in örtlicher Betäubung bis hin zur interdisziplinären operativen Behandlung Schwerstverletzter mit anschließender Intensivtherapie. Dank eines optimierten Rettungssystems erreichen Unfallopfer die Klinik rasch und mit ausreichender Erstversorgung.

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Ein Rettungshubschrauber im Landeanflug auf die BGU Tübingen
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Eine Vernetzung der regionalen Kliniken soll dabei gewährleisten, dass die Versorgungskapazitäten und -möglichkeiten der Verletzungsschwere entsprechend genutzt werden ohne unnötig lange Transportzeiten.

Unsere Klinik arbeitet - zusammen mit den anderen Tübinger Universitätskliniken - dabei als überregionales Zentrum der höchsten Versorgungsstufe.

Der logistische und personelle Aufwand dieser Betreuung schwerst Mehrfachverletzter von der Erstdiagnostik über die meist mehrschrittige operative Versorgung bis zur Rehabilitation ist hoch und erfordert die ständige Verfügbarkeit eines eingespielten interdisziplinären Teams.

Andererseits gewährleistet gerade die spezielle Erfahrung dieses Teams auch die professionelle Behandlung des übrigen Verletzungsspektrums, nämlich einfacher und komplexer Verletzung vom Kindes- bis zum Greisenalter mit den jeweils angepassten Verfahren, die vom althergebrachten Gipsverband bis zur computernavigierten Verschraubung des Becken- oder Wirbelsäulenbruches reichen.

Der Erkenntnis, dass Unfallopfer und ihre Angehörigen oft auch seelisch stark belastet sind, wird zunehmend Rechnung getragen. An unserer Klinik werden diese Betroffenen in einem Pilotprojekt speziell betreut und beraten.

Das unfallchirurgische Team unserer Klinik wünscht Ihnen eine unfallfreie Zukunft!
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