Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
Computergesteuerte Navigation bei der Frakturversorgung
Die computerassistierte Chirurgie wurde unter den Gesichtspunkten der verbesserten Genauigkeit orthopädisch-chirurgischer Prozeduren entwickelt und wird seit Anfang der 1990er Jahre eingesetzt.
Neben der erhöhten Genauigkeit bei der Einbringung von Implantaten wird auch die Röntgenstrahlenbelastung des Patienten durch diese Verfahren vermindert.
Zunächst erfolgte die Anwendung der Navigation in der Traumatologie-Orthopädie im Bereich der Wirbelsäule zur Stabilisierung von Wirbelsäulenverletzungen bei der Platzierung von Schrauben, um das Risiko eines möglichen Schadens am Rückenmark oder anderen dem Wirbelkörper nahe liegenden Strukturen zu minimieren.
Danach kamen die computerassistierten Operationsverfahren in der Endoprothetik (Gelenkersatzoperationen mit Kunstgelenken) sowohl am Knie- als auch am Hüftgelenk zum Einsatz und gehören hier inzwischen zu den Standardverfahren. Die chirurgische Navigation ist eine entsprechende Weiterentwicklung dieser Technologie.
Die Bilddatenerhebung der knöchernen, nicht von außen sichtbaren Strukturen, erfolgt im OP mittels spezieller dafür entwickelter dreidimensionaler digitaler Röntgenbildwandlergeräte. Nach Transfer der Daten zum Navigationsgerät ist dann im Operationssaal durch zwei spezielle Infrarotkameras, welche mit dem Navigationsgerät verbunden sind, jederzeit die Lage bestimmter Instrumente (z.B. Bohrerspitze, Schraubenspitze) abrufbar und kann in Beziehung zu der zu operierenden knöchernen Struktur optisch auf einem Bildschirm (Abb.1) dargestellt werden.
Abb. 1: Planung der Schraubenlage am Bildschirm
Die eigentliche Operation wird aber nicht durch einen Roboter, sondern weiterhin durch den Chirurgen durchgeführt und gelenkt (surgeon controlled).
In der BG-Unfallklinik Tübingen wird die computerassistierte Navigation hauptsächlich auf dem Gebiet der Beckenchirurgie angewendet. Am hinteren Beckenring bei Verletzungen im Bereich der Kreuzbeindarmbeinfuge (Iliosacralfuge) und bei Hüftpfannenfrakturen (Acetabulumfrakturen) als 2-D-Navigation oder 3-D-Anwendung zur genauen Platzierung minimalinvasiv eingebrachter Schrauben (Abb.2).
Abb. 2: postoperatives Bild nach minimalinvasiver navigierter
Osteosynthese bei instabiler Beckenringverletzung
Dadurch können teilweise große Operationszugänge mit ausgedehnten Narben vermieden werden, bzw. dem Patienten weitere Operationen erspart werden.

