Chronische Wunden

Wunden, die durch Operationen oder Unfälle entstehen, heilen meist innerhalb von wenigen Wochen. In manchen Fällen können Wunden auch ohne Verletzung entstehen. Wenn Wunden nach 3 Monaten noch immer nicht verheilt sind, dann muss von einer chronischen Wunde ausgegangen werden.

Wenn Wunden ohne eine Verletzung entstehen oder nicht heilen wollen, kann dies unterschiedliche Gründe haben:

  • Oft finden sich Bakterien in der Wunde. Sie können Gifte absondern, die die Neubildung von Gewebe hemmen (Infektion).
  • Auch eine schlechte Durchblutung kann die Ursache für schlechte Heilung sein. Wenn bei Arterienverkalkung und -verengung zu wenig Blut in das Wundgewebe gelangt, fehlen dort Nährstoffe und Abwehrkräfte, die die Wunde dringend zum Heilen braucht (periphere, arterielle Verschlusskrankheit: PAVK).
  • Wenn Sie rauchen, verursachen Sie übrigens den gleichen Effekt und verdoppeln dadurch das Risiko einer Wundheilungsstörung.
  • Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes kommt es durch eine Veränderung an den kleinsten Gefäßen und Nerven sowie durch Änderungen im Zellstoffwechsel zu einer schlechteren Wundheilung.
  • Wenn der Blut- oder Lymphabfluss aus dem Gewebe nicht richtig funktioniert, heilt die Wunde schlecht. Gewebewasser und Stoffwechselabfallprodukte können nicht abtransportiert werden. Ursache dafür kann eine Venenschwäche oder fehlende bzw. nicht funktionierende Lymphgefäße sein (venöse Insuffizienz oder Lymphödem).
  • Bei Patienten, die sich selbst nicht gut bewegen können, weil eine Lähmung vorliegt oder eine Bettlägrigkeit, liegt eine Körperstelle unnatürlich lange auf der Unterlage und wird nicht entlastet. Dadurch kommt Druck auf das Gewebe und die Durchblutung in dem Bereich wird herabgesetzt, was das Absterben der Haut und auch des darunter liegenden Fettgewebes zur Folge haben kann.

Teilweise können chronische Wunden durch aufwendige Wundpflege und spezielle Wundauflagen zur Abheilung gebracht werden. Hierfür ist notwendig, dass das der Wundheilungsstörung zugrunde liegende Problem behandelt wird:

  • Gefäßspezialisten können die Durchblutung durch Eingriffe an den Gefäßen verbessern.

    • Der Einstrom über die Arterien kann durch Gefäßerweiterungen oder die Anlage von Bypässen gesteigert werden.
    • Die Venenschwäche kann ebenfalls durch spezielle Eingriffe gelindert werden.

  • Sie können – zumindest zeitweise – das Rauchen einstellen.
  • Der Blutzucker muss gut eingestellt werden.
  • Lymphdrainage oder Kompressionsware kann das Gewebewasser reduzieren.
  • Wenn Druckstellen die Ursache sind, können spezielle Schulungen und Lagerungshilfen Entlastung bringen.

Um Ihnen eine umfassende Therapie anbieten zu können, arbeiten wir eng mit Gefäßspezialisten, Diabetologen, Orthopäden, Unfallchirurgen, Physio- und Ergotherapeuten/innen zusammen. Die Krankengeschichte wird gemeinsam besprochen und Ihnen ein Therapievorschlag gemacht.

Sollten die Maßnahmen nicht ausreichen, um die Wunde zur Abheilung zu bringen, kommt eine Gewebeverpflanzung in Frage. Hierzu kann je nach Beschaffenheit der Wunde eine operative Reinigung der Wunde und eine nachfolgende Vorbereitung der Wunde auf den endgültigen Verschluss mit speziellen Verbandstechniken erfolgen. Daran schließt sich dann eine Gewebeverpflanzung von einer gesunden Körperstelle an. Die Entnahmestelle heilt von alleine ab. Je nach Wundbeschaffenheit kann eine einfache Hautverpflanzung erfolgen, bei der die oberste Hautschicht beispielsweise an einer Stelle am Oberschenkel entnommen und auf die Wunde aufgelegt wird. Ist der Wundgrund schlecht durchblutet, würde die Haut alleine nicht einheilen. Dann muss Gewebe verpflanzt werden, das seine eigene Blutversorgung mitbringt. Unter dem Mikroskop können die Gefäße neu angeschlossen werden.

Durch die Anwendung modernster und schonenster Operationsverfahren und die Zusammenarbeit mit allen Fachdisziplinen, die ihren Teil zur Heilung beitragen, gelingt es uns, auch schwierige Wunden zur Abheilung zu bringen und Amputationen zu vermeiden. Unser Ziel ist es, Sie von schmerzhaften, riechenden und aufwendig zu verbindenden Wunden zu befreien und Sie mit heiler Haut zu entlassen.

  Direktor

Univ.-Prof. Dr. Adrien Daigeler

BG Klinik Tübingen
Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie
Schnarrenbergstr. 95
72076 Tübingen

Sekretariat :
Claudia Hölle

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