Medizinisches Angebot

 Verbrennungsgrade

Der Schweregrad einer Brandverletzung bemisst sich nach Ausmaß und Tiefe der verbrannten Oberfläche.

  • Grad I
    Schmerzhafte Rötung, oberflächliche Epithelschädigung ohne Blasenbildung (vergleichbar einem Sonnenbrand)
  • Grad IIa
    Schmerzhafte Blasenbildung, roter Untergrund, Schädigung der Epidermis und oberflächlicher Anteile der Dermis
  • Grad IIb
    Weniger schmerzhafte Blasenbildung, heller Untergrund, weitgehende Schädigung der Dermis unter Erhalt der Haarfolikel und Hautanhangsgebilde
  • Grad III
    Schmerzarme weissliche oder braune Verfärbung, vollständige Zerstörung von Epidermis und Dermis inklusive der Hautanhangsgebilde und Haarfollikel, evtl. auch des darunter liegenden Fettgewebes
  • Grad IV
    Schmerzlose Verkohlung, Zerstörung tiefer Gewebeschichten mit Unterhautfettgewebe, Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken

Die Verbrennungsfläche wird in der Regel als prozentualer Anteil der verbrannten Körperoberfläche in Relation zur gesamten Körperoberfläche angegeben. Zur schnellen und sicheren Einschätzung kann dies anhand der Handfläche des Verbrennungsopfers erfolgen – eine Handfläche (inklusive der Finger) entspricht etwa 1 % der Körperoberfläche.

Bereits am Unfallort ist die adäquate Erstversorgung durch den Rettungsdienst/Ersthelfer entscheidend für den Patienten. So sollten Wunden trocken und steril abgedeckt werden. Eine großflächige Kühlung beispielsweise durch kaltes Wasser ist unbedingt zu vermeiden, damit die Verletzten nicht unterkühlen.  Nur kleinflächige Verbrennungen (<10 % verbrannter Körperoberfläche) können zur Schmerzlinderung gekühlt werden. Der Kreislauf muss stabilisiert und eine angemessene Schmerztherapie eingeleitet werden. Eventuell muss noch am Unfallort die Intubation erfolgen, damit die Atemwege nicht zuschwellen können.

 Verbrennungsfolgen

Neben einer qualifizierten Erstversorgung frischer Verbrennungen gilt im Verlauf ein besonderes Augenmerk der Nachsorge. Durch engmaschige Verlaufskontrollen garantieren wir eine intensive Patientenbetreuung und haben stets das Patientenwohl sowie die berufliche und soziale Wiedereingliederung vor Augen. Insbesondere während der sogenannten „Narbenreifung“, die zwischen 12-24 Monate andauern kann, sind Nachuntersuchungen notwendig. Nach tiefergehenden Verbrennungen kommt es gehäuft zur Ausbildung von Narben und einhergehend damit zur Ausbildung von Narbenschrumpfungen, die die Beweglichkeit von Gelenken einschränken können und unschön aussehen. Zur Wiederherstellung bzw. Sicherung der freien Gelenksfunktion können anfangs konservative Therapiemaßnahmen wie beispielsweise die Anpassung von Kompressionskleidung und die Auflage von Silikonblättern ausreichend sein. Sollte sich im Verlauf dennoch eine Bewegungseinschränkung ausbilden, sind bedarfsweise operative Narbenkorrekturen mittels individuell abgestimmten Operationen nötig.

Neben diesen funktionellen Einschränkungen sollte jedoch auch stets ein Augenmerk auf die ästhetischen Komponenten nach einer Verbrennung gelegt werden. Überschießender Narbenwuchs kann beispielsweise zunächst mittels Kompressionsverband oder lokaler Medikamenteninfiltration (z.B. Cortison) behandelt werden. Verhärtete Narben werden durch Auflage von Silikonpflastern und eigenständiger Narbenmassage zunehmend weicher. Sollten sich hierunter keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen lassen, besteht ebenfalls die Möglichkeit einer Lasertherapie oder eines Medical-Needlings. Wir können in unserer Klinik auf alle gängigen Verfahren - deren medizinischer Nutzen wissenschaftlich belegt ist - zurückgreifen und diese individuell angepasst zum Einsatz bringen. 

 Kriterien für die Einweisung in ein Verbrennungszentrum

Nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV) sind die im Folgenden aufgelisteten Kriterien für die Einweisung eines Patienten in ein Verbrennungszentrum wie die BG Klinik Tübingen einzuhalten:

  • Alle Patienten mit Verbrennungen an Gesicht/Hals, Händen, Füßen, Ano-Genital-Region, Achselhöhlen, Bereiche über großen Gelenken
  • Patienten mit mehr als 15% zweitgradig verbrannter Körperoberfläche
  • Patienten mit mehr als 10% drittgradig verbrannter Körperoberfläche
  • Patienten mit mechanischen Begleitverletzungen
  • Alle Patienten mit Inhalationstrauma
  • Patienten mit präexistenten Erkrankungen oder Alter unter 8 Jahren bzw. über 60 Jahren
  • Alle Patienten mit elektrischen Verletzungen vor allem Starkstromverbrennungen

  Direktor

Univ.-Prof. Dr. Adrien Daigeler

BG Klinik Tübingen
Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie
Schnarrenbergstr. 95
72076 Tübingen

Sekretariat :
Claudia Hölle

  07071 606-1036   07071 606-1037 choelle@bgu-tuebingen.de

  Sprechstunde

Verbrennungen und Narben

  07071 606-1444 plastische-hand@bgu-tuebingen.de