Behandlung mit Botolinumtoxin

Botulinumtoxin, das früher als Verursacher einer lebensbedrohlich verlaufenden Lebensmittelvergiftung (Botulismus) gefürchtet war, wird heute hauptsächlich im Bereich der ästhetischen Medizin zur Reduktion mimischer Falten angewandt. Im Folgenden möchten wir Sie kurzgefasst über die therapeutische Anwendung des Medikaments in unserer „Botox-Sprechstunde“, über die  vorherrschenden Indikationen sowie über den organisatorischen Ablauf informieren und Ihnen die Ansprechpartner in unserer Klinik nennen.

 Botulinumtoxin und seine Wirkung

Botulinumtoxin ist ein Gift, das von dem Bakterium Clostridium botulinum ausgeschieden wird und als wichtigster Stellvertreter einer Gruppe ganz ähnlicher Stoffe im Folgenden exemplarisch kurz vorgestellt werden soll. Botulinumtoxin ist ein Neurotoxin, das große Ähnlichkeit mit dem Tetanustoxin hat. Seine Wirkung beruht auf einer Hemmung der Signalübertragung an der neuromuskulären Endplatte. Eine je nach Dosis unterschiedlich starke Lähmung des betroffenen Muskels ist die Folge. Die Wirkung tritt 24 bis 72 nach der Injektion ein und hält etwa 3 Monate lang an, kann aber bei bestimmten Indikationen auch deutlich länger bemerkbar sein.

Botulinumtoxin wird bereits seit 1980 therapeutisch genutzt, 1989 wurde das Medikament  für die ersten neurologischen Indikationen in den USA zugelassen. Das Indikationsspektrum, die Erfahrungen bei der Anwendung und das Interesse sowohl bei Fachleuten als auch bei Laien haben seitdem immens zugenommen.

 Indikationen

Das Anwendungsgebiet umfasst neben Krankheitsbildern auf Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischem Fachgebiet neurologische Erkrankungen und Indikationen aus der ästhetischen Medizin. Zu nennen sind auf neurologischem Fachgebiet die Dystonien mit unwillkürlichen Kontraktionen von Willkürmuskeln, der Formenkreis der mit Spastik einhergehenden Krankheitsbilder sowie Spannungskopfschmerz und Migräne. Die Indikationen aus der MKG- Chirurgie sind Dystonien der Kau-, Hals- und Gesichtsmuskulatur, Bruxismus (Knirschen), die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), habituelle Kiefergelenkluxationen (Ausrenken der Kiefergelenke), Hypersalivation (vermehrte Speichelbildung), idiopathische oder posttraumatische Gesichtsasymmetrien, Masseterhypertrophien (vermehrtes Volumen der großen Kaumuskeln) und seltenere Krankheitsbilder wie z.B. die Hyperhidrosis (übermäßige Schweißproduktion).

In der ästhetischen Medizin wird Botulinumtoxin zur Reduktion mimischer Falten angewendet.

 Nebenwirkungen und Immunität

Als Folge der Injektion kann es selten zu Hämatomen oder Infektionen kommen. Allergische Reaktionen sind möglich. Eine zu starke Lähmung des Zielmuskels oder eine Diffusion des Medikaments in benachbarte Muskeln kann auftreten und führt dann im Gesichtsbereich zu veränderter Mimik, im Halsbereich zu Schluck- und Sprechstörungen. Systemische Nebenwirkungen sind bei den therapeutisch verwendeten Dosen klinisch nicht relevant. Die unerwünschten Wirkungen sind - ebenso wie die erwünschten – vollständig reversibel.

Bei einem sehr kleinen Anteil der Patienten kann die Entwicklung neutralisierender Antikörper zu Immunität gegen das Medikament und zu Therapieversagen führen.

 Unsere Patienten

Wir behandeln in unserer Spezialsprechstunde Patienten aller Altersgruppen: „Gesunde“ mit ästhetischen Anliegen, körperlich und geistig Behinderte sowie Patienten mit MKG-chirurgischen und fächerübergreifenden Erkrankungen.

 Kooperationen

Viele unserer Patienten haben eine Erkrankung, die Symptome sowohl auf MKG- chirurgischem als auch auf neurologischem Fachgebiet mit sich bringt. Diese Patienten profitieren von unserer engen Kooperation mit den Kollegen der Universitätsklinik für Neurologie, die ihre „Botox-Sprechstunde“ ebenfalls am Mittwoch abhalten. Unsere gemeinsamen Patienten haben so die Möglichkeit, am selben Tag beide Sprechstunden aufzusuchen und können sich der gut etablierten Kommunikation der behandelnden Ärzte gewiss sein.

 Kosten

Die Kosten für die medizinisch indizierten Behandlungen mit Botulinumtoxin werden von den Krankenkassen übernommen.

  Assistenzarzt

Dr. Christopher Gursch

  07071 606-1051   cgursch@bgu-tuebingen.de